Cheat Day für Triathleten – ist er sinnvoll?

Ein Triathlon stellt eine Vielzahl an Anforderungen an die Sportler: Muskeln, Kondition, Bänder, Sehnen und vor allem der innere Schweinehund werden maximal gereizt. Dementsprechend hart ist das vorherige Training, um beim Triathlon, insbesondere als Iron Man, das Ziel zu erreichen und sich als „Finisher“ feiern zu lassen. Ein Trend ist hier der sogenannte Cheat Day, der in sozialen Medien immer wieder zelebriert wird. Doch was versteckt sich dahinter und ist er überhaupt sinnvoll für Triathleten?

Neoprenanzug

Was ist ein Cheat Day überhaupt?

Als Teil des Triathlon-Trainings ist es für den Erfolg essenziell, dass die Ernährung miteinbezogen wird. Nur wer das Gewicht unter Kontrolle hat und gleichzeitig den Körper mit allen benötigten „Kraftstoffen“ wie Vitaminen und Nährstoffen versorgt, kann am Wettkampfs-Tag maximale Leistung abrufen. Der Cheat Day beschreibt nun einen Tag, bei dem Ernährungsregeln außer Acht gelassen werden können und augenscheinlich hemmungslos geschmaust wird. Süßigkeiten, Pommes, Pizza, Burger – nur einige der Klassiker, die bei einem Cheat Day konsumiert werden. Vor allem bei Low-Carb-Diäten wirkt solch ein Tag erstmal befremdlich, sind es doch die Kohlenhydrate, die bei einem Cheat Day in rauen Mengen konsumiert werden: Sei es in Form von Zucker oder stark kohlenhydrathaltigen Speisen wie Brot, Kartoffeln oder Weizen. Richtig bekannt gemacht in der Allgemeinheit hat den Cheat Day beispielsweise im März 2019 TV-Sternchen Daniela Katzenberger, die in einem Interview verriet, dass sie sonntags immer wieder sündigt.

Wie wirkt der Cheat Day auf den Körper?

Viele Trainer und Sportler sind überzeugt, dass ein Cheat Day den Trainingserfolg verbessern kann. Neben dem deutschen TV-Sternchen sorgen auch Stars wie Katy Perry dafür, dass die Popularität ungebrochen ist. Und dann wären da auch noch die Kraftsportler, die häufig einen „Refeed Day“ in der Woche geplant haben, um sich mit einer Reihe an Nahrungsmitteln richtiggehend „aufzuladen“. Doch was steckt dahinter?

Grundlage, um überhaupt einen Cheat Day machen zu können, ist eine kalorien- und vor allem kohlenhydratarme Diät an den restlichen Wochentagen. Statt Kartoffeln kommen zum Hähnchen hier knackfrische Salate als Sättigungsbeilage auf den Teller; Nudeln, Weizen, Reis und Co. werden fast vollständig verbannt. Low-Carb ist dabei durchaus ein von Experten umstrittener Trend, der zur Folge hat, dass die Stoffwechselprozesse sich im Körper ändern. Statt Energie aus der Glukose zu generieren, entwickelt sich der Stoffwechsel zur Ketose, bei dem der Körper aus dem Fett mit Energie gespeist wird. Der Cheat Day hat nun rein physisch die Aufgabe, den Körper regelmäßig auch wieder mit Kohlenhydraten zu versorgen, damit der Organismus diese weiterhin verarbeitet. Besonders Sportler und Influencer, die über längere Zeiträume in der ketogenen Phase trainieren, berichten in den sozialen Medien von entsprechenden Erfolgen beim Muskelaufbau und zeigen eine unglaubliche Kalorienzufuhr, so z. B. inscope21 oder Simon Mathis. Entsprechende Videos haben teilweise Millionen von Klicks auf YouTube.

Die psychologische Wirkung von Cheat Days erklärt

Triathleten wissen nur zu gut, dass zwar der Körper ein wichtiges Instrument ist, der Kopf aber mindestens einen gleichgroßen Anteil besitzt, wenn nicht sogar noch wichtiger ist, um einen Wettkampf zu finishen. Geht es in Richtung Olympische Distanz oder Iron Man, so entscheidet oftmals der Kopf, ob das Rennen gefinisht wird – oder eben auch nicht. Dass ein starker Wille uns nicht nur Bäume versetzen, sondern uns auch zu sportlichen Höchstleistungen pushen kann, zeigt der aktuelle Film „Free Solo“ eindrucksvoll. In diesem Kino-Spektakel zeigt der Extrem-Kletterer Alex Honnold, wie er den „El Capitan“, eine 600m hohe, steile Wand im Yosemite National Park, ohne Absicherung bezwingt. Der Mindset-Coach Elliot Roe sprach unlängst in einem Interview über diesen Kletterer, mit welchen Ängsten sich Sportler aktiv auseinandersetzen müssen. Ängste, die auch Triathleten immer wieder haben.

Ein Cheat Day kann hier nun den Druck etwas mindern und insbesondere kleinere, leichte Zielerreichungen bieten. Statt das gesamte Training auf einen einzigen Wettbewerb, ein einziges Ergebnis hin auszurichten, erhalten Sportler durch einen Cheat Day ein schnelles Erfolgserlebnis. So kann z. B. ein wöchentlicher Cheat Day im Hinterkopf die Versagensängste lindern, dass die Diät nicht streng durchgehalten wird, denn es kann von Belohnung zu Belohnung gedacht werden. Die Vorfreude auf den nächsten Belohnungstag kann darüber hinaus auch zwischenzeitliche Leistungen pushen.

Cheat Day und Triathleten

Die Triathlon-Expertin und Ernährungsberaterin Caroline Rauscher, die beispielsweise auch Nils Frommhold unterstützt, ist kein Freund des Cheat Days. Sie vertritt die Meinung, dass eine allzu strikte, durchreglementierte Ernährung eher einer Bestrafung gleichkommt und nicht förderlich für den Trainingserfolg ist. Sie bewirbt die Ansätze, dass sich Triathleten aktiv mit ihrer Ernährung auseinandersetzen sollen und diese langfristig verfolgen müssen, um erfolgreich zu sein. Wenn Gelüste entstehen, rät sie zum sogenannten „Cheat Meal“, bei dem bei einer Mahlzeit mal gesündigt wird.

Grundsätzlich ist es also weniger eine Frage ob Cheat Day oder Cheat Meal, sondern eher die individuelle Einschätzung, was gut für den jeweiligen Sportler ist. Disziplin, egal ob beim Training oder beim Wettkampf, ist absolut notwendig, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Doch dabei sollte jeder Sportler für sich selbst entscheiden, welche Maßnahmen individuell den größten Erfolg versprechen.

13 Gedanken zu „Cheat Day für Triathleten – ist er sinnvoll?

  • 7. August 2019 um 11:38
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    Spannend! Ich bin zwar keine Sportlerin, sondern Achtsamkeitstrainerin, aber ich kann mir gut vorstellen, wie ein Cheat Day psychologisch wirkt. Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme – es ist auch ein Genussmittel!

    Entspannte Grüße
    Sarah von https://www.achtsam.blog

    Antwort
  • 7. August 2019 um 19:53
    Permalink

    Ich denke ja. Ich bin zwar kein Sportler und an Triathlon wage ich erst gar nicht zu denken, aber ich glaube, dass bei so einer langen Vorbereitungszeit die Aussicht auf einen Tag in der Woche, an dem man einmal nicht härter als hart zu sich selbst sein muss, schon hilfreich ist.
    Ein bisschen Spaß sollte schon zum Leben gehören …

    Liebe Grüße,

    Doris

    Antwort
  • 7. August 2019 um 20:04
    Permalink

    War interessant zu lesen, mache nie Sport und ich habe mich mit Sport noch nie so befasst.
    Trotzdem toller Beitrag

    Antwort
  • 14. August 2019 um 11:32
    Permalink

    Ich finde es wahnsinnig, was man beim Training für einen Triathlon alles berücksichtigen muss… Dass die Ernährung zum Training passt leuchtet ein, aber dass man selbst über einen Cheat Day so differenziert nachdenken muss? Ich weiß schon warum ich keinen Triathlon mache 😀
    Liebe Grüße,
    Emilie

    Antwort
  • 15. August 2019 um 8:02
    Permalink

    Mir ist der Cheat Day sehr sympathisch. Liegt vielleicht daran, dass ich es in meiner Ernährung ähnlich halte 6 Tage gesund und diszipliniert und einen Tag ist alles in jeder gewünschten Menge erlaubt. Für mich ideal.
    Alles Liebe
    Annette

    Antwort
  • 15. August 2019 um 9:59
    Permalink

    Für meinen Sport (ich mache Yoga) ist die Ernährung zwar auch sehr wichtig – aber von Cheat Days habe ich da noch nie gehört. Ich kenne diese tatsächlich im Rahmen von kohlenhydratreduzierter Ernährung. Das habe ich für zwei Jahre schon gemacht – um Migräne zu überwinden. Jedoch waren da keine Cheat Days erlaubt – sonst hatte ich Schmerzen.

    Antwort
  • 15. August 2019 um 12:02
    Permalink

    Hallo!

    Ich glaub, dass ein Cheat Day für den Kopf Wunder bewirken kann. Immerhin will man sich ja nicht ständig zügeln und hat so etwas auf das man sich freuen kann.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    Antwort
  • 15. August 2019 um 13:09
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    Als ich stark im Bodybuilding vertreten war, hatte ich auch oft einen cheat Day angesetzt. Zum einen aus Faktoren für Verbrennung, zum anderen bin ich einfach ein Mensch, der gerne isst und verzichten fällt mir schwer. So konnte ich mich immer gut motivieren.
    Viele Grüße
    Wioleta von http://www.busymama.de

    Antwort
  • 15. August 2019 um 14:38
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    Klingt spannend. Und ich kann mir auch vorstellen, dass so ein Tag eine sehr positive Wirkung hat. Monate lang ohne irgendwelche kleinen Sünden auszukommen stelle ich mir schwierig vor und belastet sicher zusätzlich zum ohnehin anstrengenden Training.
    Liebe Grüße

    Antwort
  • 15. August 2019 um 18:17
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    Ich kenne es nicht aus eigener Erfahrung, weiß aber von anderen, auf wieviel man hier achten muss und WIE WICHTIG die Ernährung hier ist. Die ist zwar immer wichtig, aber beim Triathlon spielt das ja nochmal eine ganz andere Rolle.

    Antwort
  • 15. August 2019 um 19:36
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    Wahnsinn, auf was man da alles achten muss. Ich befürchte, dass ich dafür zu undiszipliniert bin. Ich habe echt großen Respekt vor den Extremsportlern.

    Antwort
  • 15. August 2019 um 20:31
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    Jaaa ich liebe Cheat Days 🙂
    Ich hab zwar schon mal einen Ttiathlon gemacht, bin aber nicht wirklich viel am trainieren… aber gut essen ist einfach immer gut!

    Alles Liebe, Katii

    Antwort
  • 15. August 2019 um 22:33
    Permalink

    Ich bin zwar keine Sportlerin, aber ich ernähre mich seit geraumer Zeit Low Carb. Ich hab vor kurzem mittels Stoffwechselkur auch kanpp 10 kg abgenommen. Ich finde, dass man seinem Körper nichts verbieten sollte, denn er weiß am besten was er braucht. Zwar hab ich Kohlenhydrate wie Brot, Nudeln, Reis oder Kartoffeln aus meiner Ernährung gestrichen, aber ich bin auch der Meinung: wenn mein Körper Lust darauf hat, dann bekommt er es auch (in Maßen). Ich cheate zwar nicht regelmäßig, finde es aber wichtig, dass frau sich auch mal was gönnt.

    Lieber Gruß
    Sophia

    Antwort

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